Frauenmagazin von und mit Barbara Schöneberger: Perfekte Ikone des Unperfekten
Das Magazin BARBARA mit Barbara Schöneberger als Kooperationspartnerin von Gruner + Jahr hat sich inzwischen fest im Medienangebot für Frauen etabliert . Die Entertainerin erklärt das redaktionelle Konzept wie folgt: Inspirationen für ein fröhliches Leben mit demonstrativer Abkehr von Perfektionsidealen in Bezug auf die multiplen weiblichen Rollen als Ehefrau, Mutter, Geliebte, Freundin, Arbeitnehmerin oder Unternehmerin. Das ist bislang in Deutschland, anders als im angelsächsischen Raum, ein schwieriges Thema, das aber mit der prominenten Protagonistin möglicherweise einen entscheidenden Befreiungsschlag erfährt.
Es gibt kein politisches Programm, das sich nicht die Vereinbarkeit von Job und Familie auf die Fahnen schreibt, ganz besonders für Frauen. Die stehen so oder so unter Druck und Rechtfertigungszwängen:
– Berufstätige Mütter werden oft in die Nähe von Rabenmüttern gestellt, denen der Job wichtiger als ihre Kinder ist.
– Nicht berufstätige Mütter werden oft als antiquiert und nicht vollwertig abgestempelt, auch wenn sie oft nur wegen fehlender Kinderbetreuung ihren Job aufgeben müssen.
Das Schlimmste an dieser Diskussion: es sind oft diese beiden Gruppen selbst, die aufeinander losgehen und der jeweils anderen Partei egoistische Motive unterstellen. Dahinter verbirgt sich eine tief verwurzelte Verunsicherung im Kampf um gesellschaftliche Anerkennung, die – so der Kultur- und Medienforscher Stephan Grünewald – in Deutschland besonders ausgeprägt sei, weil hier einerseits das aufopferungsvolle Mutterbild des Dritten Reiches nachhaltige Spurenelemente hinterlassen habe, andererseits aber auch die Idealisierung der Trümmerfrauen nachwirke, die Kinder und Familie in schwersten Zeiten unter Aufgabe eigener Bedürfnisse alleine durchgebracht haben.[1]
Beiden Leitbildern gemeinsam sei die Doktrin der Selbstaufgabe. Und selbst die weit fortgeschrittene Emanzipation der Frauen habe daran nicht viel geändert – im Gegenteil: zu der Rolle als aufopferungsbereite Mutter und Ehefrau komme jetzt auch noch der Druck, mit Job und Selbstverwirklichung zu glänzen, und zwar ebenfalls möglichst perfekt. Frauen, die sich diesem multiplen Perfektionsdruck entziehen, stehen unter dem Generalverdacht, sie wollten es sich nur leicht und einfach machen.
Das ist in den USA beispielsweise ganz anders, wo Frauenmagazine wie REAL SIMPLE unter dem Motto „Life made easier every day“ seit 15 Jahren Frauen mit inspirierenden, praktischen Ideen und Lösungen versorgen, um jeden Teil ihres Lebens leichter und besser zu machen, konkret: mehr für sich selbst aus Zeit und Geld herauszuholen: „Es geht darum, die Frauen aus den Zwängen zu befreien, so dass sie weniger Zeit mit Dingen, die sie machen müssen, und mehr Zeit mit Dingen, die sie machen, wollen, verbringen können“ (Kristin Van Ortop, Managing Editor REAL SIMPLE).
Der Erfolg dieses Konzeptes ist auch in deutschen Verlagen auf Übertragbarkeit auf den hiesigen Markt für Frauenzeitschriften überprüft worden – mit negativem Ergebnis: zu direkt, zu heikel auf der psychologischen Ebene, weil mit dem Kauf eines solchen Titels das offene Eingeständnis propagiert werde, es sich leicht machen zu wollen.
Inzwischen aber dürfte Gruner + Jahr mit BARBARA (http://www.barbara.de/) der große Durchbruch gelungen sein, indem die Botschaft besser verpackt wird: der programmatische Anspruch als Entlastungs- und Lebenshilfe für den unperfekten Spagat zwischen Job und Familie wird von einer Entertainerin repräsentiert, die locker und fröhlich die unterschiedlichsten Rollen auf ihre eigene, unperfekte Weise meistert.
Das ist eine gelungene Uminterpretation eines belasteten Themas in einer Zeit, in dem der eigene Bewegungsraum oft durch prominente Vorbilder abgesteckt wird : „Ich will so locker sein und leben wie die Schöneberger“ hört sich smarter an als „Ich will mehr Zeit für mich und meine Interessen“. Demonstrative Lockerheit als Lebens- und Erfolgsprinzip hat mehr gesellschaftliche Akzeptanz als der verbissene Kampf um Entlastung und Selbstverwirklichung.
BARBARA ist also deshalb ein verlegerischer Erfolg, weil das Magazin die unbekümmerte Fröhlichkeit einer erfolgreichen Entertainerin als inhaltliches und stilistisches Konzept durchhält. Entscheidend dafür ist die Tonality, die gleich im Editorial der ersten Ausgabe Zeichen gesetzt hat:
„Mir ist wichtig, dass Sie schon gleich bei unserer ersten Ausgabe merken, dass wir uns alle zusammen mit BARBARA das Leben ein bisschen einfacher, ein bisschen raffinierter, ein bisschen schöner machen. Ganz ohne Druck.“
Diese neue und demonstrative Unverkrampftheit zieht sich konsequent durch das journalistische Konzept: die einzelnen Rubriken werden mit frechen konzeptionellen Statements angeteasert, die eine neue Haltung im Vergleich zu anderen Frauenmagazinen deutlich machen, und auch die Themenauswahl selbst zeigt keine Angst vor selbstbewussten Provokationen des Herkömmlichen zugunsten eines frischen Blicks auf unverstellte Gesichter und Geschichten. Kurzum: BARBARA bezeichnet sich völlig zu Recht als „kein normales Frauenmagazin“ und verdient einen nachhaltigen Erfolg.
[1] Stephan Grünewald, Deutschland auf der Couch, Campus Verlag 2006, S. 47 ff.