Serie „Nachhaltige Karriereplanung“: 7 fatale Irrtümer und 7 neue Erfolgsfaktoren / Teil 4
Viele Führungskräfte setzen sich selbst unter großen Druck, ihre Überlegenheit im professionellen Wettbewerb in jeder Situation spüren zu lassen. Sie sind stark auf sich selbst fokussiert und nehmen ihre kollegiale Umgebung primär als Abgrenzungsobjekt wahr: sie oben, der Rest darunter. Die Kultivierung von Distanzierung bis hin zur Arroganz wird vielfach mit der vollen Absicht betrieben, Führungsstärke zu demonstrieren. Im schlimmsten Fall fördert das narzisstische Tendenzen und eine übersteigerte Selbstinszenierung.
Die Wirklichkeit: Empathisches Charisma ist erfolgversprechender als (selbst-)zerstörerische Egotrips. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass ein egomanes Verhalten in der Regel nach hinten losgeht und Erfolg eher verhindert.[1] Dafür gibt es 5 Gründe:
– Menschen mit hoher narzisstischer Ausprägung haben gleichzeitig ein hohes Aggressionspotenzial und eine kontraproduktive Arbeitsweise.
– Ein zu starker Selbstbezug trübt den Blick für eigene Schwächen und führt in der Folge dazu, Risiken falsch einzuschätzen bzw. zu große Risiken einzugehen.
– Die permanenten Drehungen um die eigene Achse zerstören Beziehungen, weil sie bei anderen Angst und Frustration erzeugen, was schließlich deren Loyalität untergräbt.
– Diese soziale (Selbst-)Isolation geht zulasten der Gesundheit und des emotioanlen Wohlergehens.
– Eine übersteigerte Selbstwahrnehmung führt im Fall von Misserfolg zu einem völligen Zusammenbruch.
Anstelle von Selbstbezug sollte deshalb besser das eigene Charisma gestärkt werden, das die Mitarbeiter mit Empathie, Enthusiasmus und einem gesunden Selbstvertrauen motiviert[2]. Die gute Nachricht: Charisma kann man lernen. Seine Kernelemente: Empathie, Zuhören, Augenkontakt, Enthusiasmus, Selbstvertrauen, Redegewandtheit. Sie sind die Grundlage für die Entfaltung von menschlicher Wärme, Aufmerksamkeit und schließlich Macht, die von Olivia Fox Cobane[3], die in ihrem Buch „The Carisma Myth“[4] als entscheidende Erkennungszeichen von wirksamem Charisma definiert werden. Erst dadurch, so Cobane, entstehe die Fähigkeit, erfolgreich Einfluss auf andere zu gewinnen und auszuüben.
Näheres dazu hier auf diesem Blog in dem Beitrag „Charisma durch Empathie statt Egomanie“
Die weiteren Teile der Serie „Nachhaltige Karriereplanung“:
Erster Irrtum: Ohne Stress kein Erfolg. Die Wirklichkeit: Erfolg erfordert vor allem Stressvermeidung durch eine realistische Einschätzung der eigenen Talente, Potenziale und Kapazitäten. mehr…
Zweiter Irrtum: Je geringer der Regenerationsbedarf, desto größer die Erfolgsaussichten. Die Wirklichkeit: Regeneration ist notwendig für den Erfolg und erfordert eine gezielte Stärkung der Widerstandskräfte. mehr…
Dritter Irrtum: Ohne unbändigen Fleiß kein Erfolg. Die Wirklichkeit: Kreativität durch Müßiggang ist für den Erfolg wichtiger als bienenfleißige Strebsamkeit. mehr…
Fünfter Irrtum: Die Zukunft ist wichtiger als die Gegenwart. Die Wirklichkeit: Nur wer im Heute-Fokus lebt, kann die Zukunft bewältigen. mehr…
Sechster Irrtum: Stärken stärken ist die ultimative Erfolgsformel. Die Wirklichkeit: Persönliches Wachstum und Erfolg entstehen durch selbstkritische Behebung von Schwächen. mehr…
Siebter Irrtum: Erfolg fördert das persönliche Wohlbefinden. Die Wirklichkeit: Es ist umgekehrt: persönliches Glück und Wohlbefinden fördern Erfolg. mehr…
[1] Emma Seppälä, THE HAPPINESS TRACK, HarperOne 2016, S. 142 ff
[2] Olivia Fox Cabane, THE CHARISMA MYTH, Penguin Group 2012, S. 13 ff
[3] Ehemalige Lehrbeauftragte an den Universitäten von Harvard, Yale und Stanford; heute Coach von Führungskräften in den führenden US-amerikanischen Unternehmen
[4] Olivia Fox cobane, THE CHARISMA MYTH, Penguin Group, 2012, page 13 ff